Klimaschutz UND Soziale Gerechtigkeit September 2020-Demo

Demo am Grünen Markt

Danke an alle für’s Kommen! Es war eine bunte und musikalische Demo mit vielen spannenden Infoständen und wichtigen Redebeiträgen. Bluepingu boten vor Ort ihre regelmäßig stattfindene Sprechstunde zur Gemeinwohlökonomie an, die Lebensmittelretter versorgten alle mit leckerem Geretteten, Georg Stumpf informierte zu Solaranlagen für den kleinen Geldbeutel, Hajo Keckeis über die Regionalisierung von Wertschöpfungskreisläufen und die Kinder nahmen an einem Malprojekt teil, das anschließend dem ebenfalls anwesenden Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung übergeben wurde. Leider ließ dieser sich nur wenig auf die an ihn adressierten Redeinhalte ein. 

 

Infos und Handlungsoptionen

Gerne wird in der politischen Diskussion Klima- und Umweltschutz und soziale Verantwortung gegeneinander ausgespielt.  Herr Jung persönlich sagte zum Beispiel bei seiner Begründung, warum er keinen Klimanotstand in Fürth ausrufen möchte, dass man dann ja keinen sozialen Wohnungsbau mehr finanzieren könnte. An vielen Stellen ist jedoch das Gegenteil der Fall: Ökologisch sinnvolles Handeln geht mit mehr sozialer Gerechtigkeit einher. Wir rufen dazu auf, sich tiefergehend zu informieren und sich als politischer, wirtschaftlicher und privater Akteur mehr in diesem Sinne auszurichten.

Derzeitige Ungleichheit

Global besitzen 8 (!) Superreiche so viel Vermögen wie die untere Hälfte unserer Welt und die Zahl der Milliadäre steigt rasant. Es sind schockierende Zahlen, die Horst Honeiser von der Arbeitsgruppe SPD 60+ auf unserer Demo vorträgt. In Deutschland besitzen die unteren 50% lediglich 1% des Gesamtvermögens Deutschlands. Darunter befinden sich Menschen im Niedriglohnesektor (“Arm trotz Arbeit”), Leiharbeiter, Rentner, Kinder und viele mehr. Für diese Menschen hat verständlicherweise die Bewältigung des Alltags Vorrang vor Bemühungen für den Klimaschutz. Sie sind angewiesen auf Fast Fashion zu Niedrigpreisen und billig produzierte Lebensmittel. Horst Honeiser merkt an, man könne eine Gesellschaft nur dann ökologisch sinnvoll transformieren, wenn das Gemeinwesen die Teilhabe aller Schichten garantiere und eine solche Ausgrenzung eben nicht stattfinde. 

Gemeinwohlökonomie 

Vielversprechende Lösungsansätze für die Aufhebung sozialer Ungerechtigkeiten und ein ökologischeres Wirtschaften finden sich in der Gemeinwohlökonomie. Der Bluepingu e.V. aus Fürth informiert hierzu regelmäßig. Die Gemeinwohl-Ökonomie bietet einen praktischen Ansatz wie Privatpersonen, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen ihr Handeln nachhaltig und sozial gerecht gestalten können. Die offene Sprechstunde lädt ein die Gemeinwohl-Ökonomie besser kennen zu lernen und bietet eine erste Beratung und Austausch.

Eine soziale CO2-Steuer – Beispiel Schweiz

Die CO2-Steuer ist eines der prominentesten Beispiele für das gegenseitige Ausspielen von Klimaschutz und sozialen Aspekten, dabei gibt es längst Beispiele, die diese These widerlegen: Eine CO2-Steuer kann für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen. Bereits seit 2008 gibt es in der Schweiz die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe wie Heizöl, Erdgas und Kohle, dabei dient die Abgabe vorrangig zur Lenkung der Investitionen und fließt zu zwei Dritteln wieder an die Bürger*innen zurück (aus pragmatischen Gründen über die Krankenkasse). Umweltministerin Svenja Schulze kann sich so ein Instrument auch gut für Deutschland vorstellen. Es sei eine Möglichkeit, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit miteinander zu verbinden (Quelle: Tagesschau). Auch eine sogenannte Klimadividende kann für sozialen Ausgleich sorgen. Anschaulich erklärt in diesem Video von Mai Thi Nguyen-Kim.

 

Wir fordern die Umsetzung einer sozialen CO2-Abgabe!

Lebensmittelretter

In Fürth verderben jeden Monat Tonnen von Lebensmittel. Die Lebensmittelretter engagieren sich dafür, dass diese Lebensmittel eingesammelt und – vor allem aber nicht nur – Menschen zukommen, die in prekären Lebensverhältnissen leben. In anderen Kommunen wird diese Aufgabe bereits aktiv von der Stadt unterstützt und systematisch organisiert.