Pandemien und die Klimakrise

Das Auftreten von Pandemien und die ökologischen Krisen unserer Zeit stehen in einem engen Zusammenhang. Dieselben Lösungen, die auch die Klimakrise abschwächen können, werden auch das Pandemie-Risiko verringern. So senkt zum Beispiel jemand, der wenig Fleisch ist, auch das Pandemie-Risiko für alle. Warum und alle weiteren Zusammenhänge in unserer Zusammenfassung einiger Fakten aus dem Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services pandemics IPBES (hier eine Zusammenfassung in eigener Übersetzung):

• Der Ursprung von Pandemien sind verschiedene Viren und Bakterien, die bei Wildtieren vorkommen. Die Entstehung einer Pandemie wird aber vollständig durch menschliche Aktivitäten herbeigeführt. Diese menschlichen Aktivitäten sind dieselben, die auch den massiven Artenverlust und den Klimawandel mitverursachen: Vordringen in und Nutzung von Flächen mit bis dahin unberührter Natur, Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen, Handel mit und Konsum von Wildtieren. All dies bringt Wildtiere und Menschen in näheren Kontakt, so dass Viren und Bakterien leichter von Wildtier zu Nutztier oder zum Mensch überspringen können.

Das Risiko von Pandemien steigt massiv, parallel zu den exponentiell zunehmenden Veränderungen durch den Menschen. Derzeit tauchen pro Jahr mehr als fünf neue Erkrankungen auf, von denen jede das Potential hätte, sich zu einer Pandemie zu entwickeln.

• Auch der Klimawandel selbst führt zu einem erhöhten Auftreten verschiedener Krankheiten. So verbreiten sich durch neue klimatische Verhältnisse Zecken in verschiedenen Gegenden massiv und übertragen zum Beispiel Meningoenzephalitis auslösende Viren. Es wird angenommen, dass der Klimawandel auch zukünftig das Pandemie-Risiko weiter erhöht, dadurch dass viele Menschen und Tiere gezwungen sind, ihre bisherigen Lebensräume zu verlassen, und damit zur Verbreitung verschiedener Krankheitserreger beitragen.

• 30 % der neuen Krankheiten seit 1960 sind zurückzuführen auf: Abholzung der Wälder, menschliche Besiedlung von bis dahin unberührten natürlichen Lebensräumen, Getreideanbau, Viehzucht und Urbanisierung.

• 70 % der aufkommenden Krankheiten (z.B, Ebola, Zika, Nipah Enzephalitis) und nahezu alle bekannten Pandemien (z.B. Influenza, HIV/AIDA, COVID-19) sind Zoonosen, das heißt sie werden verursacht durch Viren oder Bakterien, die von Tieren stammen. Diese Viren und Bakterien können bei Kontakt von den wild lebenden Tieren auf landwirtschaftliche Tierbestände oder den Menschen überspringen.

• Nach Schätzungen existieren noch ca. 1,7 Millionen unentdeckte Viren in Säugetieren und Vögeln. Etwa 700 000 davon könnten auch bei Menschen eine Infektion auslösen.

• Das Pandemierisiko könnte signifikant gesenkt werden durch:

Verantwortungsbewussten Konsum (weniger ist mehr), weniger Konsum von Wildtieren oder Wildtierprodukten und auch weniger Konsum von Fleisch allgemein, da auch landwirtschaftlicher Tierbestand das Risiko einer Übertragung erhöht und zu massivem Flächenverbrauch durch die Futtermittelproduktion führt.

Erhalt ökologischer Schutzgebiete und Maßnahmen, die eine nicht nachhaltige Nutzung von Regionen mit hoher Biodiversität eindämmen.

 

Mehr zum Thema:

Spiegel: “Seoulvirus bei junger Patientin nachgewiesen“:

“Entscheidende Faktoren, die zur Übertragung von Zoonosen führen, sind menschliche Aktivitäten. Die Ausbreitungen von urbanen Regionen oder Landwirtschaft und der damit verbundene Rückgang von Lebensraum für Tiere oder Jagd und Handel mit wilden Tieren.”

ARD Mediathek: “Brasilien: Forscher suchen nach Viren”:

“Pandemien entstehen dann, wenn der Mensch in das natürliche Gebiet der Fledermäuse vordringt und das Gleichgewicht der Natur, in dem die Viren existieren, durcheinander bringt.” 

“Die massive Abholzung der Urwälder vergrößert die Gefahr einer neuen Pandemie, denn dadurch erhöht sich das Risiko, dass unbekannte Viren, die im Regenwald schlummern, auf unsere Zivilisation überspringen.” 

“Virologen sprechen von einer tickenden Zeitbombe.”

Tagesschau: “Weltweiter Fleischkonsum steigt”:

“Der Hauptgrund für die Übertragung von Krankheiten von Tieren auf den Menschen, wie auch bei Covid-19 vermutet, ist die immer weitere Ausdehnung der Agrarflächen.”